Presseschau

Nur der Bordservice fehlt im Jumbo-Jet



Peter Michels Boeing-Modell der Superlative hat eine Zulassung vom Bundesluftfahrtamt

Ingelheim – Ein Modell der Superlative hat Peter Michel aus dem Stadtteil Sporkenheim gebaut. Seine Boeing 747/400 ist so groß geraten, dass sie schon ein echtes Flugzeug ist. Der Jumbo tankt Kerosin, hat einen Jet-Antrieb und darf von Modelflugplätzen gar nicht mehr starten.

Unter den Augen der strengen Prüfer vom Bundesluftfahrtamt kommt selbst Peter Michel ins Schwitzen. Mit zittrigen Händen bedient er die Fernsteuerung, Schweißperlen auf seiner Stirn. Seit 30 Jahren bastelt der Sporkenheimer nun schon Modellflugzeuge, sein Hobby-Keller gleicht einem kleinen Hangar.

"Das waren Erbsenzähler"

Doch als seine Boeing endlich mit kreischenden Turbinen abhebt und schwebt, ist das für ihn alles andere als Routine. Denn der Jumbo ist das Größte, was der 60-jährige Rentner gebaut hat. "Die Krönung meiner Modelllaufbahn", murmelt Michel.

Ohne emotionale Regung beobachten die Experten vom Amt jede Bewegung seiner täuschend echt wirkenden Boeing aus Balsaholz und Styropor. Notieren jedes Flugmanöver. Die Maschine gewinnt an Höhe, fliegt eine Kurve nach der anderen, korrigiert ihren Kurs, nimmt plötzlich wieder Geschwindigkeit raus, fährt schließlich das Fahrwerk aus – und landet am Ende wieder wohlbehalten auf dem Rollfeld. tief durchatmen: Der Jungfernflug war für Peter Michel nervenzerreißend.

Denn Üben ohne Zulassung war verboten. "Das wäre ein Schwarzflug", erklärt Michel. Nur ein kleiner Fehler in der Konstruktion oder aber eine unbedachte Handbewegung an der Fernsteuerung – und 30 000 Euro Materialkosten plus mehr als 2 000 Stunden Bastelei wären futsch gewesen. "Ein Restrisiko bleibt", weiß Michel. Doch der Kfz-Mechaniker hatte gute Arbeit geleistet. Ohne große Beanstandung hakten die Experten ihre Checkliste ab.

"Als die Erbsenzähler dann noch kamen und wollten, dass ich hier einen Decken abmache, bin ich fast verrückt geworden", gibt Michel zu. Das bürokratische Bohei nervt den Rentner. 75 Kilo packen die Prüfer auf die Tragflächen, um zu schauen, ob sie halten. Die dreifache Erdbeschleunigung muss das Konstrukt aushalten. Doch die Regulierungswut hat auch ihr Gutes: "Ich bin froh, dass Fachleute die Sicherheit meiner Konstruktion bescheinigt haben", sagt Michel. "D-02-10-026" lautet das amtliche Registrierkennzeichen seines Super-Models.

Traumfigur mit 60 Kilo

60 Kilo wiegt der Jumbo, vollgetankt ist er mit elf Litern Kerosin. 5,10 Meter ist die Boeing lang, hat eine Spannweite von 4,60 Meter und ist am Leitwerk 1,45 Meter hoch. das sind Traum-Maße, die Modellbastler ins Schwärmen bringen. Bis 25 Kilo akzeptiert der Gesetzgeber noch Modellflugzeuge, alles, was darüber geht, bedarf einer Zulassung vom Bundesluftfahrtamt. Einen Pilotenschein – im Behördenchinesisch "Ausweis für Steuerer von Flugmodellen und von sonstigem für die Benutzung des Luftraums bestimmten Luftfahrtgerät" – musste Michel dazu noch machen, außerdem braucht er einen Versicherungsnachweis mit einer Deckungssumme von drei Millionen Euro, den von zwei Sachverständigen unterschriebenen Geräteprüfschein, ein Lärmmessprotokoll, muss im Flugbuch jeden Start und jede Landung dokumentieren, und und und... "Mehr hat einer, der seine Cessna auf dem Manz-Finther Flugplatz stehen h at, auch nicht an Unterlagen dabei", grinst Peter Michel, während er durch seien Mappe blättert.

Mit dem Jumbo hat der Bastler erreicht, wovon alle Modellbauer träumen: Dass ihr Flugzeug aussieht wie das Original. "Das ist ein richtig zugelassenes Flugzeug", sagt Michel stolz und zeugt Dutzende Fotos, auf denen die Maschine in der luft von einer echten nicht zu unterscheiden ist. "Es sitzt nur keiner drin, und es gibt keinen Bordservice". Die Farbtöne hat er sich von Lufthanse geben lassen, selbst an Details wie Regenabweiser über den Türen hat er gedacht, eines der 18 Räder kostet 50 Euro. "Die kommen aus Italien, sind sündhaft teuer". Als Michel mit seinem Modell kürzlich bei Lufthansa zu Besuch war, konnten es die Mitarbeiter kaum glauben. "Da haben wir das Werk still gelegt". Der einzige Unterschied zur echten Boeing: "Die war ganz dreckig, meine aber glänzte wie frisch gewaschen".

"Nicht XXL, aber oho!"

Peter Michel fasziniert die Fliegerei, Pilot wollte er aber nie werden. dafür hat er eine einleuchtende Begründung parat: "Wenn an im Flugzeug sitzt, kann man ja nicht auch noch daran drumbauen". Auch wenn er ein Jahr Arbeit in seine Boeing im Maßstab 1:14 gesteckt hat, bleibt es für ihn ein Hobby. "Ein großes und teures Spielzeug", gibt Michel zu. Als nächstes plant er jetzt eine Vierstrahlige russische Maschine des Typs Iljuschin 62. "Das ist dann XXL, das ist klein, aber oho", lächelt Michel. siehe Foto-Gallerie

Vom
Redaktionsmitglied der MZ
Achim Reinhardt